Die
Numismatischen Tage Schweiz 2010 fanden am 12. Juni auf Schloss Blumenstein in
Solothurn statt. Organisiert wurde die Tagung von der Schweizerischen
Numismatischen Gesellschaft (SNG/SSN) und dem Circulus Numismaticus
Solodorensis (CNS).
Nach der Generalversammlung der SNG/SSN und der Begrüssung
der Teilnehmer durch Regierungsrat Klaus Fischer, Eduard Tschachtli für den CNS
und Hortensia von Roten für die SNG/SSN konnte die Vortragsreihe beginnen.
Marianne
Schneitter führte in «Solothurn als Residenzstadt der französischen Ambassade»
dem Plenum einen Bilderreigen durch die Jahrhunderte vor Augen und wies auf
bekannte und verborgene Schätze.
Carol Nater zeigte in «Solothurner Patriziat
und fremde Dienste», dass die bedeutenden Familien der Stadt, die im
Söldnerwesen tätig waren, gut lokal verankert waren. Zudem verfügten sie über
eine überregionale/internationale Vernetzung. Zur Koordination der Tätigkeiten
in Solothurn kamen oft die Patrizier-Frauen zum Einsatz, während ihre Männer im
Ausland weilten.
Beatrice Schärli wies in «Papstmedaillen in Solothurner
Sammlungen» auf die äusserst reiche Bilder- und Motivwelt auf Medaillen hin, die
zum Teil in qualitätvoller Manier hergestellt wurden. Papstmedaillen waren ein
besonderes Geschenk an Solothurner Bürger, mit dem man sich gerne schmückte,
wie dies manche Bilder im Vortragssaal eindrücklich zeigten.
Den
Abschluss der Vortragsreihe vor dem Mittagessen bildeten Dr. Ulrich Kleins
Ausführungen zu einem Münzschatz, der 1762 beim Einsturz des gotischen
Spitzturms der Kirche St. Ursus gefunden worden war. Ulrich Klein war an der
Generalversammlung der SNG/SSN zum Ehrenmitglied ernannt worden und bedankte
sich mit seinen Ausführungen zu diesem hochmittelalterlichen Fund, der bis auf
wenige Exemplare verstreut wurde.
Das ausgezeichnete Mittagsbuffet wurde im
Schlosshof serviert, wo man mit einem Happen und Glas in der Hand angeregt
weiterdiskutieren konnte.
Am
Nachmittag setzte Dr. Suzanne Frey-Kupper die Vortragsreihe mit «Fundmünzen aus
dem Kt. Solothurn; Neufunde, Glanzlichter und Kontexte» fort. Die zahlreichen
Solothurner Funde von der Antike bis zur Neuzeit belegen die Bedeutung des
Ortes; sie konzentrieren sich besonders in der Gegend um den Hafen.
Dr. Michael
Matzke befasste sich in seinem Referat «Die Frühzeit der Solothurner
Münzprägung» mit den Anfängen der Solothurner Prägetätigkeit. Anhand von
Machart und Stil weist er die Denare mit der Aufschrift SALO/MON, die unter
Ludwig IV. dem Kind um 899–911 entstanden waren, nach Solothurn. Er sieht in
diesem Schriftzug nicht den Konstanzer Bischof Salomon, sondern einen Hinweis
auf die Münzstätte Solothurn und deutet die Legende als «Salodurum Moneta».
Abb. 1: Dr. Michael Matzke referierte zur Frühzeit der Solothurner Prägung
Rahel
Ackermann und Daniel Schmutz gingen in «Anmerkungen zu Johann Meiger,
Münzmeister zu Solothurn» schriftlichen Hinweisen des beginnenden 14.
Jahrhunderts aus Freiburg i. Br. nach, welche einen Münzmeister mit diesem
Namen aus Solothurn nennen. Zur selben Zeit gibt es in Bern und Solothurn
schriftliche Nennungen von Personen mit Namen Johannes Monetarius bzw. Johannes
Münzer. Es wird aber nicht ganz klar, ob es sich um eine oder mehrere
(verwandte) Personen handelt. Auch bleibt offen, wann es sich bei der
Bezeichnung «Münzer» oder «Monetarius» um eine Berufsbezeichnung handelt und
wann bereits um einen Geschlechtsnamen.
Jean-Paul Divo sprach zu «Botschafter
Paulmy und die Solothurner Medaille auf die Geburt des Herzogs von Burgund».
Der französische Botschafter in Solothurn, Marquis de Paulmy, liess zu Ehren
des französischen Thronfolgers Medaillen herstellen, die ausgewählten Personen
geschenkt wurden.
Den letzten Vortrag hielt Jürg Nussbaumer zu «Der Solothurner
Bildhauer Hermann Peter und die Numismatik». Hermann Peter war ein bedeutender
Bildhauer und Skulpteur, dessen Werke an verschiedenen Orten (Le Locle,
Fribourg und v.a. Solothurn) noch heute bewundert werden können. Der Auftrag
des Adalbert Ferdinand Berengar, Prinz von Preussen (1884–1948), eine Medaille
zu entwerfen, führte zur einzigen Medaillenarbeit Peters, welche in Berlin auf
grosse Bewunderung stossen sollte.
Abb. 2: Dr. Erich Weber erläutert den Bau des Museums Blumenstein
Nach
dem Abschluss der Vortragsreihe führte Dr. Erich Weber, Konservator des Museums
Blumenstein, durch den Kulturgüterschutzraum «Fegetz» und zeigte, wie eine
Institution mit wenigen Mitteln, aber viel Engagement und guten Ideen, Lösungen
zur Lagerung von Kulturgut findet. Nach einem Spaziergang zur St.
Ursen-Kathedrale machte Marianne Schneitter eine Führung durch die Stadt zum
Thema «Das Geld liegt auf der Strasse». Besichtigt wurden u.a. die bekannten
Standorte der alten Münzstätten. Nach einem Aperitif vor der ehemaligen
französischen Ambassade ging es dann weiter zum ausgiebigen Abendessen im Roten
Turm, das den Abschluss der Tagung bildete.
Für
den rundum gelungenen Anlass gebührt den Organisatoren, vor allem den Personen
vor Ort, ein grosses Dankeschön.
José Diaz Tabernero
Die Numismatischen Tage 2011 finden im Juni 2011 in Sion statt.